DER OBERGRASHOF

Verborgene Schätze auf dem Obergrashof

Obergrashof gewinnt Förderpreis Ökologischer Landbau 2012

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Die Gärtnerei Obergrashof im Dachauer Moos erhält heuer den Förderpreis Ökologischer Landbau 2012. Die Betriebsleiter Julian Jacobs und Peter Stinshoff nahmen den Preis auf der Grünen Woche am 27.01.12 in Berlin von Landwirtschaftsministerin Aigner entgegen.

Als wichtigster Lieferant von demeter-Qualitätsfrischgemüse in der Münchner Region ist die Gärtnerei Obergrashof schon seit Jahren ein Garant für beste Qualität.

Manche Schätze auf dem Obergrashof sind oft allerdings erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Auf dem Acker "Hinter der Heck'n" stehen zehn Reihen Kohlrabi. Es ist aber nicht nur einfach Kohlrabi. Es handelt sich um die von Betriebsleiter Julian Jacobs eigens auf diesen Böden und in diesem Klima gezüchtete Kohlrabisorte „Rasko“. Das Besondere: Der Kohlrabi ist samenfest, das heißt, es können – im Unterschied zu den weit verbreiteten Hybridsorten – Samen von ihm gewonnen werden zur Weiterzucht oder zum weiteren Anbau. Die Sorte hat er nicht auf den eigenen Namen angemeldet, sondern sie auf den Verein Kultursaat e.V. übertragen, so dass sie von allen Interessierten genutzt werden kann. „Sorten sind Kulturgut“, so Julian Jacobs. „Sie müssen der Menschheit zur Verfügung gestellt werden. Nur so verhindern wir Abhängigkeiten und sichern unsere Nahrungsgrundlagen.“

Im Gewächshaus hinter dem Kuhstall fällt der Blick auf eine ungewohnte Blütenpracht. Es handelt sich um blühenden Chicoree und Mangold. Betriebsleiter Julian Jacobs betreibt Saatgutvermehrung für Chicoree und Mangold mit so wohlklingenden Namen wie Glatter Silber und Tardivo. Auch drei Sorten des bayerischen „Münchner Bierradi“ finden sich auf den Flächen. Die weißen Samenstände dürfen gut geschützt im abgeschirmten Gewächshaus blühen. Die Samen werden im September dann sorgsam geerntet.

Die Preisverleihung in Berlin

Die Preisverleihung in Berlin

Betriebsleiter Peter Stinshoff finden wir im modernen Offenfrontstall bei weiteren Schätzen. Stinshoff ist Gärtnermeister und betreibt dennoch zusätzlich eine Erhaltungszucht der einzigen autochthonen bayerischen Rinderrasse, den Murnau-Werdenfelser Rindern. Auf dem Obergrashof befindet sich der zweitgrößte Herdbuchbestand überhaupt. In der Herde läuft ein gekörter Zuchtstier. Bei einer Körung werden von Fachleuten verschiedene Merkmale beurteilt und die absolute Reinrassigkeit wird festgestellt. Mit der Initiative des Obergrashofes konnte das Rind mit dem schönen Gesicht vor dem Aussterben bewahrt werden. Die Tiere sind bestens an die Moorlandschaft, wie wir sie auf dem Obergrashof finden, angepasst. Selbstverständlich dürfen die Demeter-Tiere ihre Hörner behalten.

Im Hofladen finden sich unzählige Gemüsekisten mit eigenem Gemüse und der Aufschrift: „samenfest“ und dem jeweiligen Namen der Sorte. Der Obergrashof hat als erster Betrieb die Sortenvermarktung bei Gemüse eingeführt, die bislang eigentlich nur bei Kartoffeln oder Äpfeln bekannt war. Aufgrund dieser Initiative sind mittlerweile bei den regionalen Großhändlern und im Naturkostfachhandel die Namen verschiedener Möhrensorten sowie die Bezeichnung „samenfest“ echte Begriffe.

Die Auslobung erfolgt bis zur Gemüsekiste im Laden, so dass bei den Verbraucherinnen ein Bewusstsein über Nahrungsgrundlagen und die Problematik der Hybridsorten entstehen konnte. Es kann mit dem Einkaufskorb entschieden werden – ein weiterer Schritt in die Zukunft und ein Erfolg für das ureigene Anliegen des ökologischen Landbaus.

Die Jury am Obergrashof

Die Jury am Obergrashof

Auch im Bereich Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit ist der Obergrashof vorbildlich. Strom kommt trotz der Mehrkosten zu 100% schon lange aus regenerativen Energien. Der Trinkwasserverbrauch konnte nach einem Brunnenbau um 75% gesenkt werden. Eine Flüssiggasbrennwerttherme heizt die Gewächshäuser. Die Düngerwirtschaft ist so gut wie ein geschlossener Kreislauf, was im Gartenbau sehr schwierig ist. Durch ein ausgeklügeltes System konnte der Düngereinfuhr auf lediglich 10 kg N/ha gesenkt werden. Damit könnte der Obergrashof unter den großen Gemüsebaubetrieben bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal haben.

„Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind eigentlich unser größter Schatz“, sagt Peter Stinshoff. Der Obergrashof beschäftigt 25 Vollzeitarbeitskräfte. Das Besondere: Die Betriebsleiter führen den Obergrashof als lernendes System und im Team zusammen mit den langjährigen Mitarbeitern. In den vergangenen 20 Jahren wurden mehr als 40 Lehrlinge auf dem Hof ausgebildet. Dass es auf dem Obergrashof viel Zukunftspotential gibt, ist auf den vielen Zusammenkünften zu spüren, wenn wieder eine Kinderführung zu Eseln und Schafen stattfindet, wenn Naturkostfachverkäuferinnen ihre Fortbildung dort machen, wenn der Verein „Freunde des Obergrashof“ zukünftige Entwicklungen mit bespricht und mit gestaltet oder einfach auf einem Hoffest mit herrlichem Essen, guter Musik und Tanz. Echte Agrarkultur eben.

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