DER OBERGRASHOF

Murnau-Werdenfelser Rinder am Obergrashof

Murnau-Werdenfelser Rinder laufend

Die Murnau-Werdenfelser, die einzig autoch­thone Rinderrasse Bayerns, wird auch "Ober­länder", "Murnauer" oder "Rote" genannt und zeichnet sich durch eine große Farbenvielfalt aus. Meist besitzen die MW-Rinder einen helleren Aalstrich, und das Flotzmaul sowie die Augen sind gleichfarbig. Die Hornspitzen und das Flotzmaul sind grau, oft ist das Ge­sicht mit einer schönen Maske geschmückt, Ohren und Augen sind schwarz umrandet.

Die Tiere sind mit ihren harten Klauen und breiten Hufen sowie den belastbaren Gelenk­en sehr gut an Moor- und Sumpflandschaften angepasst und durch den eher zierlicheren Körperbau ebenso für steilere Almen geeignet. In den Moosweiden am Obergrashof hinterlassen sie wenig Trittschäden. Die lang anhaltende Fruchtbarkeit mit bis zu 10 oder auch mehr Kälbern beeindruckt. Unsere älteste Kuh ist 18 Jahre alt und hatte 17 gesunde Kälber.

Seit ein eigener Zuchtstier gehalten wird, kalben die Kühe in der Regel leicht ab, was bei der extensiven Weidehaltung von großem Vorteil ist.

Murnau-Werdenfelser Rinder liegend

Die Milch der Werdenfelser hat eine einzig­artige Zusammensetzung von Milch­proteinen, über deren gesundheits­fördernde Wirkung weitere Untersuchungen angestellt werden sollen. Auffallend ist auch die Fleischqualität der Ochsen, die durch die Kurzfaserigkeit und Kernigkeit bestimmt wird. Zur genaueren Untersuchung des Fleisches der MW im Ver­gleich zu anderen Rassen ist eine Disserta­tionsarbeit am Institut für Hygiene und Tech­nologie der Lebensmittel tierischen Ursprungs, PD Dr. Barbara Schalch der LMU München geplant.

Die Rasse entstand Ende des 19. Jahrhunderts aus Kreuzungen des Oberinntaler und des Graubündner Grauvieh, des Allgäuer und Schweizer Braunviehs, sowie des Mürztaler, Murbodener und Ellinger Viehs.

Geburt eines Murnau-Werdenfelser Kalbs

Geburt eines Murnau-Werdenfelser Kalbs

Slideshow: Anhalten

Als typisches Dreinutzungs-Rind waren vor allem die Ochsen als Arbeitstiere bei den Landwirten der großen bayrischen Ackerbau­gebieten beliebt. Damals gab es noch etwa 62.000 Tiere, die sich bis 1936 auf knapp 23.000 reduzierten. Leider sanken die Tier­zahlen schließlich, v.a. nach dem zweiten Weltkrieg, stetig weiter. Dies lag sowohl an der Brucellose- und Tuberkulosebekämpfung, als auch daran, dass sich viele Züchter in den 1950er und 1960er Jahren mehr dem milch­leistungsbetonten Fleckvieh oder Braunvieh zuwandten. Dieser Trend wurde auch durch den Zuchtverband für einfarbiges Gebirgsvieh in Oberbayern forciert, der sogar die Teilnahme von Murnauern an Auktionen verbot. Die Anzahl der reinen MW-Züchter im ursprünglichen Zuchtgebiet ging im Zeitraum von 1970 bis 1975 von 60 auf sechs zurück.

Heute ist die Reinzuchtpopulation durch Einkreuzung anderer Rassen, wie Braunvieh, Gelbvieh oder Fleckvieh, vor allem aber durch das französische Tarentaise-Rind, stark bedroht. Denn dadurch ist der originäre genetische Pool bereits sehr geschrumpft. Seit den siebziger Jahren wird nun wieder vermehrt Wert auf den Erhalt dieser besonderen Rasse gelegt. Seit 1976 hält der Bayerische Staat auf einem Nebenbetrieb des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger eine Mutterkuhherde der Murnau-Werdenfelser als Genreserve. Auf dem Obergrashof haben wir 1996 mit der Haltung von 5 Mutterkühen begonnen und daraus mittlerweile eine Herde mit 53 Tieren aufgebaut. Die ersten Kühe wurden über eine Patenschaft finanziert.

Murnau-Werdenfelser Rinder auf der Weide

Seit 2009 stehen die Tiere im Herdbuch und zwei Stiere wurden gekört. Dieser wichtige Beitrag zum Erhalt der Werdenfelser wurde bisher nicht staatlich gefördert, weil eine Förderung nur im Stammgebiet der Rasse und nur in Verbindung mit einer Milchleistungs­prüfung vorgesehen war.

Seit diesem Jahr ist uns nun eine staatliche Förderung auch für die Mutterkuhhaltung in Aussicht gestellt. Bei der Rinderhaltung wie wir sie am Obergrashof betreiben bleibt es natürlich nicht aus, daß die männliche Nachzucht und die Altkühe geschlachtet werden.

Neben dem Wert des Mistes als Dünger, ist die Vermarktung von Fleisch der einzige Erlös, der zur Deckung der Haltungskosten zur Verfügung steht. Kälber werden nicht geschlachtet.

Wenn Sie Interesse haben unser Ochsenfleisch zu kaufen, können sie uns gerne Ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wir informieren Sie dann über die Bestelltermine.

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